Ein Blick hinter die Kulissen von Chinas IT-Fabriken / by Riesen Spatz

Graphic Recording beim Meetup von „Inside Chinas IT-factories: the Struggle for Human and Workers' Rights“

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Wir wissen dass viele unserer technischen Geräte in China produziert werden.
Wir wissen, dass die Produktionsbedingungen dort sozial und ökologisch oft problematisch sind.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl jemandem gegenüber zu stehen, der in direktem Kontakt mit Arbeitern in chinesischen IT-Fabriken steht, die unter langen Arbeitstagen, unbezahlten Überstunden und Arbeit ohne geeignete Schutzkleidung leiden und keine soziale Absicherung haben. Da stehst du dann, mit deinem Smartphone in der Hosentasche als wäre es das Selbstverständlichste der Welt und weißt: Ich bin Teil dieses Problems.

Am 2. Juli 2018 hatten zerowasteXchange und die Ethical Tech and Humane Design Community unter dem Titel „Inside Chinas IT-factories: the Struggle for Human and Workers' Rights“ zu einem Meetup mit Len Abe eingeladen, einem Aktivisten, der sich seit vielen Jahren für die Rechte der Arbeiter in der Elektronik-Industrie einsetzt. Hamburg war eine der Stationen auf seiner Deutschland-Tour, bei der er von den Zuständen in den chinesischen Fabriken berichtete. Dabei wurde er unterstützt von Nager It, einen deutschen Unternehmen, das weitgehend faire Computermäuse herstellt.

Svenja, Anke und ich waren vom Team Riesenspatz als Graphic Recorderinnen dabei um die wichtigsten Punkte seines Vortrages und der anschließenden Diskussionsrunde mit Susanne Jordan, CEO von Nager IT, Sebastian Beschke, Vertreter der NGO Fair Loetet, und dem Publikum festzuhalten. Das Gespräch wurde moderiert von Michael Dettbarn von Greenpeace.

 Graphic Recording Riesenspatz

Graphic Recording Riesenspatz

In den letzten Jahren wurde der Aktivist zunehmend von der chinesischen Regierung unter Druck gesetzt und bedroht. Um seine Arbeit fortsetzen zu können benutzt er das Pseudonym Len Abe. Weil deshalb auch keine Fotos von ihm gemacht werden dürfen, wurden wir für ein Graphic Recording angefragt. So war es möglich die Veranstaltung und alle relevanten Inhalte zu dokumentieren, ohne die Anonymität des eingeladenen Gasts zu gefährden.

In seinem Vortrag schilderte Len Abe die prekäre Situation der Arbeiter, deren Ziel, nach seiner Auffassung, der Aufstieg in ein besseres Leben sei. Den Auswirkungen auf Familiengefüge maß er einen besonderen Stellenwert zu: Eltern sind gezwungen in die Städte umzusiedeln um Arbeit zu finden, die Kinder bleiben aus Kostengründen fast immer mit den Großeltern zurück. Damit gehen zerrissene Familien und fehlende Eltern-Kind-Bindungen einher - die emotionale und praktische Unterstützung der Eltern fehlt. Häufig bringen diese familiären Umstände mit sich, dass keine gute Ausbildung für die Kinder möglich ist und dadurch keine Chancen auf einen besseren Job bestehen.

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In der anschließenden Gesprächsrunde wurde unter anderem die Frage diskutiert, ob der Einzelne durch bewussten Konsum die politische Situation für beispielsweise Arbeiter in China tatsächlich verbessern oder zum Positiven mitgestalten kann. Susanne Jordan zeigte als CEO von NagerIT auf, dass eine nachvollziehbare Produktion mit fair gehandelten Produktionsmitteln durchaus möglich ist. Einig war sich die Runde darin, dass der Konsument zwar Mitverantwortung trägt, dass die Auswirkungen von Kaufentscheidungen auf den Markt allerdings begrenzt sind. Wirksamer als das Boykottieren von Produkten sei das Engagement in NGOs, da diese auf politischer Ebene Einfluss nehmen können.

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Für mich als Graphic Recorderin war es spannend zu beobachten, dass die Fragen und Antworten oft knapp aneinander vorbei führten. Schwer zu sagen, wieviel dabei bei der Übersetzung der Frage vom Englischen ins Chinesische und der Rückübersetzung der Antwort verloren ging. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass auch der unterschiedliche Blick auf den chinesischen Staat und die chinesische Wirtschaft, dazu führte, dass manche Fragen nicht verstanden wurden. Sehr interessant für mich war die kritische und trotzdem loyale und optimistisch Haltung Len Abes gegenüber seinem Heimatland. Diese wird deutlich in seinem Statement: A better world can not exist without a better china!

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Bleibt die Frage: Was kann jede und jeder einzelne jetzt tun? Hier wäre ein paar Vorschläge aus dem Panel. Los geht’s!

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